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"Schwarze kommen in den Medien nur vor, wenn sie Stars sind"

Als neue Chefredakteurin des "Fresh"-Magazins will Vanessa afro-österreichischen Alltag sichtbar machen.

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The Come Up

Wer oder was ist typisch österreichisch? Falco? Mozart? Der ein oder andere Skifahrer der 90er-Jahre? Wenn man unser Selbstbild auf nur zwei Eigenschaften reduzieren müsste, wären das wahrscheinlich: vergangenheitsorientiert und oft männlich. Und das, obwohl die Gegenwart unzählige talentierte SportlerInnen, JournalistInnen, KünstlerInnen hervorbringt. In unserer Serie The Come-Up suchen wir nach solchen jungen Menschen – und finden sie in den Nischenszenen, in Randsportarten und abseits von Mainstream und Klischees.

Vanessa Spanbauer bewegt sich beruflich in einer dieser Nischen. Seit Beginn des Jahres ist sie Chefredakteurin von Fresh - ein Magazin, das sich zur Aufgabe gemacht hat, afro-österreichischen Alltag abzubilden. 

In der Vergangenheit gab es immer wieder Medieninitiativen, um diese Lücke zu füllen. Von Printbeilagen bis zu eigenen Magazinen, die sich allesamt mit Afrika und der afrikanischen Diaspora in Österreich beschäftigten, diese Medien konnten sich bis heute aber nicht durchsetzen. 

“Es wächst mittlerweile die dritte Generation afrikanisch-stämmiger Jugendlicher heran, die hauptsächlich US-Medien konsumiert. Das sind junge Menschen, die völlig anders sozialisiert sind als die Generation davor, die eine ganz andere Art von Musik hört, sich anders kleidet und sich wünscht, in einem deutschsprachigen Magazin abgebildet zu werden“, erzählt uns Vanessa im Interview.

Die erste Ausgabe, die unter ihrer Leitung erschien, war #RHYTHM, ein Themenheft rund um Musik und die österreichische Clubszene. Ihre Anfänge im Journalismus brachten Vanessa damals zu einem Online-Musikmedium namens enemy.at, zum Biber-Magazin und danach zu Go-TV, wo sie bis heute als freie Redakteurin tätig ist. “Es ist mir wichtig, das Heft nicht als Integrationsmagazin aufzufassen. Das sind wir ja schon – integriert. Die einzige Frage, die wir uns gestellt haben, war: Was interessiert junge schwarze Österreicher? Und Musik war eben ein guter Anfang und lag mir persönlich vom Thema her sehr nahe.“

Ihre Arbeit bei Fresh lebt aber nicht nur von ihrer Erfahrung als Musikjournalistin, Vanessa ist außerdem Historikerin. Anschließend an ihr Geschichtestudium begann sie 2016 ihren Master in Zeitgeschichte und Medien. Eines ihrer Forschungsprojekte wurde wiederum zu einer Story für Fresh die mit dem Österreichischen Zeitschriftenpreis in der Kategorie “Lifestyle, Gesundheit und Soziale Verantwortung" ausgezeichnet wurde. Die Story “Generation Schwarz / Weiß“ entstand aus Zeitzeugengesprächen mit Kindern afroamerikanischer GIs und Österreicherinnen, die während der Besatzungszeit zwischen 1945 und 1956 geboren wurden. “Die Menschen aus meiner Story und die Zielgruppe von Fresh, das sind zwei völlig unterschiedliche Generationen, die aber unglaublich viele Ähnlichkeiten aufweisen und dieselben Herausforderungen zu bewältigen haben – heute wie damals. Diese Erkenntnis war irrsinnig wichtig für mich. Als Historikerin, für das Magazin, aber auch auf einer persönlichen Ebene,“ erzählt Vanessa uns während des Drehs.

Das war Folge 2 unserer Serie The Come Up. Hier geht’s zur ganzen Serie.
Alle Fotos: Karolin Pernegger