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So macht Kochen auch als Single Spaß


Voll busy

"Ich brauche keine andere Person dafür, um etwas Gutes zu essen." Für sich alleine zu kochen lohnt sich nicht? Völliger Quatsch findet Ann Kathrin aus Kassel und erklärt uns, wie kochen für einen funktioniert.

 

 

Hey Ann Kathrin, was ist dein Lieblingsessen?

Ich esse so richtig gerne Moujadra, das ist ein arabisches Gericht mit Linsen und Reis, gewürzt mit vielen Nelken und Kreuzkümmel, dazu frittierte Zwiebeln und Joghurt mit Knoblauch, Zitronensaft, Minze und dünn geschnittenen Gurken. Und am besten macht man dann noch Fattoush, einen grünen Salat mit Granatapfel, Tomaten, Gurken und Brot. Das ist Rezept, das auch richtig gut vegan funktioniert.

Wie oft kochst du pro Woche?

Das hängt ein bisschen von meinem Terminkalender ab, aber im Schnitt würde ich sagen zwischen vier und sechs Mal.

Wie oft gehst du einkaufen? Planst du deine kulinarische Woche durch?

Für 2018 hatte ich mir eigentlich vorgenommen, einen Wochenplan aufzustellen, allerdings klappt das bis jetzt nicht so gut. Deswegen entscheide ich im Moment eher spontan nach dem, was im Angebot ist. In der Nähe meiner Arbeit ist ein wirklich gut sortierter türkischer Supermarkt, der auch viele Trockenprodukte führt. Da gehe ich am liebsten einkaufen. Dienstags morgens kaufe ich dort mein gesamtes Obst und Gemüse, und dann nehme ich, was im Angebot ist. Der Besitzer fährt ja auf den Großmarkt, und manchmal sind dann eben Zucchini günstiger oder Pilze, und das kaufe ich dann dem entsprechend. Insgesamt versuche ich aber, nur zwei Mal in der Woche einzukaufen.

Das heißt, du lässt dich ein bisschen vom Zufall leiten?


Ich versuche, regional und vor allem saisonal zu kaufen. Keine allzu langen Transportwege sind mir wichtig. Und oft ist ja auch das günstiger, was gerade Saison hat. Mir gelüstet es jetzt nicht gerade nach Heidelbeeren. Das muss ich jetzt nicht haben. Und ich versuche darauf zu achten, in meiner Ernährung diese 5 am Tag Regel anzuwenden. Also fünf Portionen Obst und Gemüse am Tag in meinem Essen unterzubringen. Das habe ich im Kindergarten gelernt und ich bin mir ziemlich sicher, dass es mir nicht schadet.

Und wie viel Geld gibst du im Monat für Essen aus?

Ich würde schätzen, so zwischen 100 und 150 Euro.

Was ist in deiner Vorratskammer?

Wir haben einen Schrank, und einiges, was da drin ist, teilen wir uns auch. Zwiebeln und Kartoffeln zum Beispiel. Und jede von uns hat ihr Fach, in dem nur die eigenen Sachen drin sind. Ich habe immer frischen Knoblauch da, also den, den man im Kühlschrank aufbewahren sollte. Ich habe immer Erdnussbutter, Kokosmilch und Tahin.

Die größte Herausforderung für jeden Single-Koch: die richtigen Mengen. Wie bekommst du das hin?

Was ich wirklich nervig finde sind die Mengen, in denen frische Produkte, wie zum Beispiel Möhren oder Kartoffeln angeboten werden. Was soll ich denn mit 2,5 Kilo Möhren? Und wenn ich sie im regulären Supermarkt einzeln kaufen will, sind sie viermal so teuer. Darum der türkische Supermarkt, da gibt es fast alles los. Andere Lebensmittel, wie zum Beispiel grüne Bohnen oder Erbsen, kaufe ich gefroren. Die kann ich mir dann portionieren, wie ich es brauche.

Wie schaffst du es, nicht zu viel oder zu wenig zu kochen?

Nudeln mache ich immer falsch, entweder zu viele oder zu wenige das klappt einfach nicht. Zum Glück habe ich einen Hund, der dann ab und zu mal ein paar übrig gebliebene Nudeln bekommt, das geht schon immer weg. Saucen funktionieren in vielen Fällen am nächsten Tag auch auf einem Sandwich. Ich mache oft Salate, vor allem mit israelischem Couscous, davon mache ich geplanter weise mehr, genau wie bei Polenta, die esse ich an mehreren Tagen und kombiniere das dann.

Also alles, was etwas mehr Arbeit macht?

Ja, oder was man gut vorbereiten kann. Polenta ist ja sehr flexibel zum Beispiel, am ersten Tag ist sie cremig, wie Kartoffelbrei, und wenn sie auskühlt, wird die härter, dann kann man sie braten oder im Ofen backen.

Wie bist du dazu gekommen, dass du so viel frisch kochst?

Mir schmeckt Fertigessen einfach überhaupt nicht. Früher habe ich gerne eine bestimmte Tiefkühlpizza gegessen, die gab es nur bei meiner Oma. Als ich mir die dann später mal selbst gekauft habe, fand ich die geschmacklich richtig öde. Mal abgesehen davon, dass in sowas keine Nährwerte drin sind. Das ist einfach leeres Essen. Ich bin danach nicht richtig satt, fühle mich nur voll und eklig, weil es so fettig ist. Und selber kochen dauert tatsächlich nicht viel länger. Eine TK Pizza braucht vielleicht 25 Minuten im Ofen. In der Zeit kann ich auch frisch kochen.

Allerdings musst du dann auch am Herd stehen, und kannst nicht was anderes machen, während die Pizza backt.

Stimmt schon, aber ich nutze die Zeit beim Kochen zum runterkommen und entspannen. Ich höre dann zum Beispiel Podcasts, für die ich sonst keine Zeit hätte. Ich kennen viele Leute, für die ist Kochen verlorene Zeit. Die haben dann vielleicht keinen Partner oder keine Kinder, und deswegen auch keine soziale Verpflichtung zu kochen, aber gut zu essen ist eine Verpflichtung sich selbst gegenüber. Ich brauche keine andere Person dafür, um etwas Gutes zu essen.

Wenn man aufwendig für sich alleine kocht, wird man oft gefragt, wieso man sich soviel Mühe macht, denn für eine Person würde sich das ja gar nicht lohnen. Hörst du sowas auch schon mal?

Die meisten finden es eher beeindruckend, dass ich mir im Zweifel auch spät abends noch etwas koche, weil ich dann auch einfach Lust darauf habe. Vielleicht spricht da auch ein bisschen der Neid raus, wenn ich mir was Gutes gemacht habe, auf das ich dann auch stolz bin. Da wären sie vielleicht gerne zum Essen eingeladen worden.

Was war der größte Reinfall beim Kochen, den du bis jetzt erlebt hast?

Beim Kochen passiert es relativ selten, dass mal etwas gar nicht schmeckt. Zuletzt wollte ich mir eine Buddha Bowl machen und habe den ganzen Tag darüber nachgedacht, was da alles rein soll, und dann hat es enttäuschend schlecht geschmeckt. Keine Ahnung, wie das passieren konnte. Beim Backen geht schon eher mal was schief. Vor einiger Zeit habe ich im Internet gesehen, dass man aus dem Wasser von Kichererbsen veganen “Eischnee” machen kann. Und das habe ich mal einen ganzen Samstag ausprobiert, bestimmt zehn oder 15 mal habe ich das immer wieder angerührt, und für ein paar Minuten sah es dann auch gut aus, und dann ist es doch wieder zerlaufen. Dass mir das gelingt, das wäre toll.

Kochst du eher aus dem Kochbuch, aus dem Internet oder aus dem Kopf?

Das ist ganz unterschiedlich. Ich hole mir oft Ideen aus dem Internet, zum Beispiel bei Instagram. Ich folge da ein paar Accounts, die ihr essen posten oder wie bei einem Foodblog auch die Rezepte dazu stellen. Es ist aber nicht so, dass ich mich sklavisch daran halte. Ich mag Kochbücher, ich habe auch einige, aber es ist jetzt nicht so, dass ich mir ein Kochbuch besorge und das dann durch koche. Ich sammele eher Inspirationen, und ich weiß mittlerweile auch, was zusammenpasst und was nicht, oder was passen könnte und was eher nicht.

Hast du noch einen Geheimtipp für uns?

Meine Mitbewohnerin kommt aus Indonesien und sie kocht oft Gerichte, die ich gar nicht kenne oder in einer Art und Weise, die ganz anders ist, wie meine. Ich esse oft Reis, und was ich mache, seit sie mir das gezeigt hat, ist immer ein Limettenblatt im Reis mitkochen, die bekommt man gefroren im Asialaden. Das macht einen riesen Unterschied. Der Geschmack passt jetzt vielleicht nicht zu Risotto, aber ich esse viel Gemüse, und Saucen auf Kokosmilch- oder Sojasahne-Basis, manchmal auch Tomatenbasis, das passt dann perfekt und schmeckt einfach besonders.

Danke Ann Kathrin!

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