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So ist es, im Auto zu leben

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Kia

Mit dem Auto durch ein südliches Land fahren und nichts brauchen außer dem, was man dabei hat. Was sich nach dem besten Roadtrip aller Zeiten à la Jack Kerouac anhört, sieht in der Realität nicht immer so cool aus, wie sich das unsere Instagram-manipulierten Hirne vorstellen.

Dieser Artikel ist in Zusammenarbeit mit KIA Rio entstanden.

Auf wenigen Quadratmetern im Auto zu leben, ist in jedem Fall eine große Herausforderung, die mit verschiedenen Vor- und Nachteilen verbunden ist. Zum einen ist man immer mobil, kann losfahren und halten, wann immer man möchte. Wenn man sein Auto oder seinen Bus dementsprechend umgebaut hat, braucht man auch keine Hotels oder AirBnBs. Das ist für viele natürlich in erster Linie eine bewusste Entscheidung: Der Traum vom ultimativen Roadtrip mit guter Musik, endlosen Straßen und interessanten Menschen, die man am Weg trifft. 

Einige andere können sich aufgrund ihrer Lebenssituation nicht aussuchen, ob sie lieber im Auto oder in einer Wohnung leben würden. Fest steht, wer noch nie in der Situation war, keine fixe Wohnadresse zu haben und seinen gesamten Besitz in Kisten mit sich herumzufahren, neigt eventuell dazu, die Realität zu romantisieren. 

Um ein paar Eindrücke aus erster Hand zu sammeln, haben wir uns mit vier Menschen unterhalten, die für längere Zeit in ihren Autos, Bussen und Lastwagen gewohnt haben oder noch immer darin wohnen.

Ruth, 29

Ich war früher recht viel auf Techno-Partys und da hat das Reisen im Bus oder LKW eine große Rolle gespielt. Wir sind im Sommer immer monatelang in Kleinbussen oder umgebauten LKWs unterwegs gewesen und durch ganz Europa gefahren, um verschiedene Teknivals zu besuchen.

“Draußen schlafen ist so großartig und seltsam, das kann man sich gar nicht vorstellen.”

Eine dieser sehr abenteuerlichen Reisen war die von Wien nach Bulgarien. Der Bus war kaputt und wir mussten mit einem Opel Kadett fahren. Das war mittelgut, weil keine Klimaanlage und kein Platz. Das haben wir aber vier ganze Wochen durchgezogen und da sowieso gerade Sommer war, haben wir meistens einfach draußen geschlafen. Draußen schlafen ist so großartig und seltsam, das kann man sich gar nicht vorstellen. Wir haben die Autos meistens irgendwo abgestellt, wo es nicht erlaubt war, wo aber auch kein Mensch vorbeigegangen ist, deshalb hatten wir auch nur selten Stress.

Ein anderes Mal sind wir nach Tschechien und Ungarn gefahren. Diesmal war der Bus intakt und wir sind zu viert in einem umgebauten Sprinter weggefahren. Hier mein Tipp an alle Menschen: Einfach nicht zu viert in einem Sprinter verreisen. Du glaubst, du hast Platz, aber dadurch, dass es sich anfühlt wie ein WG-Zimmer auf Rädern, kann es auch relativ schnell nervig sein, wenn überall Zeug herumliegt, sich das Geschirr im Auto stapelt und man darüber diskutiert, wer jetzt das Klo ausleeren muss.

“Wer viel Wert auf Hygiene, saubere Kleidung, Privatsphäre oder Komfort legt, sollte sich das zweimal überlegen.”

Mit dem Auto verreisen und auch darin wohnen ist ganz, ganz großartig und ich habe es immer geliebt und genossen. Man muss aber auch der Typ dafür sein. Wer besonders viel Wert auf Hygiene, saubere Kleidung, Privatsphäre oder Komfort legt, sollte sich das zweimal überlegen oder mit dem Campingbus verreisen. 

Lasse, 30

Nachdem ich 2011 von einer knapp einjährigen Weltreise nach Hause gekommen bin, wusste ich vorerst nicht, wie lange ich hier bleiben möchte, und wollte keine Wohnung mieten. Nach Monaten auf Couches von Freunden und Geschwistern habe ich mir dann einen ehemaligen Krankenwagen gekauft und bin dort eingezogen. Ich habe den Krankenwagen mit Holz ausgebaut, eine kleine Küche mit zwei Gasflammen installiert, ein Bett und einen kleinen Tisch mit zwei Sitzgelegenheiten hineingebaut. Die einzige Heizung war ein kleiner Holzofen, das Ofenrohr habe ich durch die Seitenwand des Autos gebohrt und so habe ich einen kleinen Kamin installiert.

Ich habe eine nette kleine Gemeinschaft gefunden, die mich aufgenommen hat und mit denen ich seitdem zusammen wohne. Wir mieten Brachflächen, um dort mit unseren kleinen und größeren, aber immer fahrbaren Lastern und Bauwagen zu wohnen. Fließend Wasser gibt es nicht. Unser Wasser holen wir mit großen Kanistern vom Feuerwehrhydranten an der Straße. Am Anfang war es schwierig, aber mit der Zeit lernt man, sparsamer mit Wasser umzugehen. Zum Abspülen von Geschirr verwende ich Regenwasser. 

“Wenn man sein ganzes Hab und Gut auf ein paar Quadratmetern verstauen muss, hinterfragt man auch viel bewusster, ob man etwas wirklich braucht.”

Der Winter ist natürlich manchmal hart. Es ist nie warm, wenn man nach einem langen Tag nach Hause kommt. Auch über Nacht wird es natürlich irgendwann kalt, wenn der Ofen ausgegangen ist. Aber ich empfinde das selten als Belastung. Wenn ich morgens aufstehe, mache ich als erstes den Ofen an und mahle frischen Kaffee. Wenn der Kaffee dann fertig ist, wird es auch gemütlich warm, da sich ein so kleiner Raum natürlich auch schneller aufheizt als eine ganze Wohnung. Zusätzlich bin ich im Winter meist monatelang auf Reisen. Da reicht mir auch ein Rucksack, um alles dabeizuhaben, was ich brauche. Nach der Rückkehr kommt einem selbst so ein kleiner Lebensraum dann sehr groß vor. Wenn man sein ganzes Hab und Gut auf ein paar Quadratmetern verstauen muss, hinterfragt man auch viel bewusster, ob man etwas wirklich braucht, bevor man neue Sachen anschafft. Diese Reduktion auf das Wesentliche ist  sehr wichtig und schützt auch gut davor, zu viele Dinge anzuhäufen. 

Herbert, 25

Ich liebe es, mit meinem alten VW Bus zu reisen. Im Vergleich dazu lässt mich jedes Fünf-Sterne-Hotel unbeeindruckt. Ich habe immer wieder mal zwischen vier und acht Wochen am Stück in meinem VW Bus gewohnt und bin damit durch mehrere Länder gereist. Der umfangreichste Trip ging durch elf Länder am Balkan und die Türkei.

“Ich fahre lieber mal einen Umweg, bleibe irgendwo länger als geplant und kümmere mich nicht darum, wenn ich gewisse Sachen doch nicht schaffe.”

Für mich ist Reisen immer mit Inspiration und Abenteuer verbunden, also dem Gegenteil von täglicher Routine. Für mich bedeutet Reisen mit dem Auto wirkliche Freiheit. Einfach losfahren, zwar mit Ziel aber ohne Plan, wie und wann man ankommt, trägt für mich immens zu diesem Gefühl von Unbeschwertheit bei. Deshalb finde ich es am wichtigsten, dass man nicht zu genau im Voraus plant, was man sehen will und wie lange man wo bleiben möchte. Ich fahre lieber mal einen Umweg, bleibe irgendwo länger als geplant und kümmere mich nicht darum, wenn ich gewisse Sachen doch nicht schaffe. Was für mich mittlerweile bei jedem Trip essentiell geworden ist, sind diese zusammenfaltbaren Stapelboxen. Die haben meine Trips so oft schon vereinfacht, vor allem wenn man mit mehreren Leuten unterwegs ist. Ich habe früher immer Leute verurteilt, die welche dabei hatten. War für mich einfach zu spießig, aber jetzt stehe ich drüber und genieße den Komfort.

Anna, 25

Letzten Sommer hat sich meine beste Freundin den Bus von ihrem Dad ausgeliehen, mit dem sie und ein gemeinsamer Freund dann von Salzburg nach Portugal gefahren sind. Ich war davor solo in Portugal unterwegs und bin in Lissabon dazu gestoßen. Jedenfalls war ich echt schon richtig scharf auf dieses lockere Leben im Bus, komplett unabhängig zu sein und einfach da hin zu düsen, wo gerade die besten Wellen sind. Meine Vorstellung von diesem Trip sah ungefähr so aus: Den ganzen Tag surfen, am Abend gemütlich gemeinsam kochen, sich anschließend am Strand mit Portwein besaufen und in der Früh wieder hinaus ins Wasser.

“Das Kochen mit dem Gaskocher wurde zu einer Lebensaufgabe.”

Die ersten beiden Tage waren dann auch echt cool und entspannt. Aber dann kam es ganz schleichend: das tägliche Aufräumen und säubern des Busses, ständig unsere Klamotten ein- und wieder auspacken und wieder von vorne. Es war zwar alles in Kisten sortiert, aber das ständige Umräumen wurde nach kurzer Zeit einfach richtig mühsam. Die Matratze, auf die wir uns jede Nacht zu dritt kuschelten, war dann ab der dritten Nacht nicht mehr so luftig und ich habe schlimme Schmerzen im Rücken bekommen. Außerdem war es relativ unmöglich, nachts auf einer ebenen Fläche zu parken, weswegen ich in der Früh entweder mit Blut im Kopf oder geschwollenen Beinen aufgewacht bin.

“Wenn der Sand anfängt, dich an bestimmten Körperstellen zu kitzeln, macht das auch keinen Spaß mehr.”

Das Kochen mit dem Gaskocher wurde zu einer Lebensaufgabe. Wenn nicht gerade das Gas aus war, dauerte es bis zu einer halben Stunde, bis das Wasser zu kochen anfing. Zudem gab es nur rationierte Portionen, weil der Topf nicht besonders groß war. Ich habe mir meistens noch etwas aus dem Supermarkt geholt, damit ich satt wurde. Im Bus gab es keine Sanitäranlagen, also sind wir meistens im Supermarkt oder in Lokalen aufs Klo gegangen. In der Früh war es dann immer anstrengend, sich irgendetwas zu suchen, weil jeder schon so dringend musste. Geduscht haben wir etwa alle drei Tage. Wir haben konstant nach Salz und Sand gerochen, was vielleicht irgendwie sexy klingt, aber wenn der Sand anfängt, dich an bestimmten Körperstellen zu kitzeln, macht das auch keinen Spaß mehr.

“Ich habe alle gezwungen, in ein AirBnB zu ziehen. Wir waren uns einig, dass wir eine Pause vom Bus brauchten.“

Einmal haben wir uns einen wirklich super coolen Abend  mit gutem Essen, Portwein und Bier gemacht – eine Kombi, die ich bis heute bereue. Danach sind wir fortgegangen und haben, als wir im Suff heimgekommen sind, vergessen, ein Fenster im Auto zu öffnen. Über Nacht hat sich der Bus so stark aufgeheizt, dass meine Freundin in der Früh einen Ohnmachtsanfall hatte. Der darauffolgende Ausflug in das Ghetto-Krankenhaus Lissabons hat aber wenigstens zu der Erleuchtung geführt, dass das mit dem Bus doch nicht die beste Idee war. Ich habe dann alle gezwungen, in ein AirBnB zu ziehen, damit wir uns für ein paar Nächte auskurieren konnten. Wir waren uns alle einig, dass wir eine Pause vom Bus brauchten. In dem BnB bin ich dann auch geblieben, weil mein Drang nach Duschen, Klo, frischem Essen und einer gemütlichen Matratze zu groß war. Außerdem habe ich mich beim Surfen verletzt und hatte richtig Schmerzen, was die Busreise zur körperlichen Arbeit machte.

“Das Bier schmeckt besser, wenn man im Campingsessel sitzt und auf das Meer schaut.”

Trotz allem bin ich froh, dass ich es gemacht habe. Es war schön, so viel Zeit mit meinen Freunden zu verbringen. Die Wellen waren top und die Leute, die ich kennengelernt habe, waren auch super. Das Bier schmeckt auch besser, wenn man im Campingsessel sitzt und auf das Meer schaut. Am glücklichsten bin ich aber darüber, dass sich mein großer Traum, irgendwann einen eigenen Bus zu kaufen, durch diesen Trip in Luft aufgelöst hat.

Es gibt viele Möglichkeiten, Wild at Heart zu sein. Mehr zur Kampagne hier.

Alle Fotos: ©Lasse Ihlow