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Triff die Künstlerin, die mit Blumenkronen ihr Geld verdient

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lieblingsblume

Ich liebe es, dass Blumen gleichzeitig so zerbrechlich und unfassbar stark sind. Es ist faszinierend zu sehen, wie schön sie auch Stunden nachdem sie geschnitten wurden noch strahlen.

Vergiss rote Rosen und Perlen; Jil Berner ist alles andere als die klassische Brautfloristin. Die Berlinerin und Blumenkünstlerin ist nicht nur die treibende Kraft hinter Kopflegenden und eine Pionierin wenn es darum geht, Fashion, Kunst und getrocknete Blumen zu kombinieren. Sie hat es mit ihren kunstvollen Brautbouquets und stilsicher gefertigten Blumenkronen, neben denen dein Kopfschmuck vom letzten Coachella vor Neid erblasst, auch bei Instagram zu einigem Fame gebracht.

Wir haben uns mit Jil in Amsterdam getroffen und mit ihr über Schleierkraut und Blumen, die wie Schokolade riechen gesprochen. 

Hey, Jil. Wie bist du dazu gekommen, florale Kunst zu machen? War das schon immer dein Plan?

Jil Berner: Nicht so richtig. Ich habe Modedesign studiert, aber ich habe immer gerne mit meinen Händen - und den verschiedensten Materialien, Farben und Düften -  gearbeitet. Nachdem ich einige Zeit in der Modebranche gearbeitet hatte, wollte ich dringend etwas neues und eigenständiges machen.

Eines Tages war ich dann auf der Suche nach einer passenden Blumenkrone für ein Festival, aber fand einfach nichts, das mir gefiel. Also machte ich mir selber eine. Es fühlte sich toll an, mit Blumen zu arbeiten und ich dachte mir, das will ich öfter machen. Dann fragten mich Freunde, ob ich auch für sie Blumenkronen anfertigen kann - und bevor ich mich versehen konnte, hatte ich mein eigenes Business für Blumenkronen am Laufen. Ab da war klar, dass Blumen meine große Leidenschaft sind und ich fing an auch Brautbouquets anzufertigen.

Die Arbeit mit Blumen liegt gewissermaßen in der Familie, oder?

Das war mir vorher gar nicht so richtig bewusst. Aber als ich mit dem Blumenbusiness anfing, erzählte mir meine Mutter, dass auch meine Urgroßmutter schon mit Blumen gearbeitet hatte. Das wusste ich vorher gar nicht. Schon witzig, wie ich zufällig in ihre Fußstapfen getreten bin.

Ja, das ist schon merkwürdig manchmal. Welche ist deine Lieblingsblume?

Oh, da gibt es so viele, dass ich mich nur schwer entscheiden kann. Ich liebe die Cosmos atrosanguineus, besser bekannt als Schokoladen-Kosmee - sie ist recht klein, riecht nach Schokolade und die Farben der Blüte sehen aus wie Samt. Ein anderer Favorit von mir ist die Hydrangea arborescens ‘Annabelle’. Sie erinnert an Spitze und ich mag diese Struktur echt gern. Außerdem liebe ich Strohblumen, weil sie so unwirklich wirken und sich die Farbe auch nach dem Trocknen nicht verändert.

Wenn du für eine Person deiner Wahl - tot oder lebendig - eine Blumenkrone anfertigen dürftest, wer wäre das? Und wie würde dein Werk aussehen?

Ich würde mich für Frida Kahlo entscheiden, weil sie meiner Meinung nach eine ganz besondere Frau war. Ich würde für sie eine riesige, kunterbunte Blumenkrone anfertigen. Ich liebe es, starke Farben zu kombinieren, etwa gelb und pink.

Verwendest du ausschließlich frische Blumen für deine Arbeiten?

Meistens schon. Aber ich war auch einer der Ersten, die Blumenkronen und Bouquets aus getrockneten Blumen angefertigt haben. Gerade für Bräute, die weit weg wohnen, ist das eine tolle Lösung, weil getrocknete Blumen auch nach längerem Transport noch gut aussehen. Manchmal arbeite ich auch mit Seidenblumen. Die sehen mittlerweile verdammt echt aus. 

Glaubst du, dass Seidenblumen irgendwann echte Blumen komplett verdrängen werden?

Ach, garantiert nicht. Seidenblumen fehlt der Duft und sie fühlen sich auch nicht echt an. Das Schöne an frischen Blumen ist doch, dass sie vergänglich sind. Du hast nur eine begrenzte Zeit, um dich an ihnen zu erfreuen. Ich sehe darin auch einen interessanten Kontrast zu unserem digitalen Zeitalter, in dem wir uns daran gewöhnt haben, dass jedes Bild und jeder Satz, den wir posten, für immer online bleibt. 

 

 

 

Ist es die Vergänglichkeit von Blumen, die dich am meisten daran reizt?

Ja. Und die Tatsache, dass sie gleichzeitig so zerbrechlich und unfassbar stark sind. Es ist faszinierend zu sehen, wie schön sie auch Stunden nachdem sie geschnitten wurden noch strahlen. Außerdem bin ich immer wieder beeindruckt, was für starke Emotionen Blumen hervorrufen können. Ich werde nie meine erste Kundin vergessen, eine Braut, der sofort die Tränen in die Augen schossen, als ich das Bouquet und die Blumenkrone für sie persönlich ablieferte. Diesen Augenblick habe ich noch jetzt immer im Hinterkopf, so gerührt war ich.

Kann ich mir vorstellen. Wie stellst du dir Aussehen und Geruch bei deine ultimativen Blume vor?

Sie sollte den Geruch von frischem Regen auf Gras haben. Vielleicht würde sie auch ein wenig süß riechen, wie die Schokoladenkosmee. Was das Aussehen angeht, wäre sie sehr zerbrechlich und leicht transparent, aber mit einem kräftigen Stengel. Farblich habe ich eine Art Farbverlauf vor Augen, etwa Stengel und Blätter in einem knalligen Pink, das langsam in einen Cremeton übergeht. Das wäre  perfekt. 

Klingt toll. Was steht noch auf deiner To-Do-Liste?

Oh, es gibt noch jede Menge, das ich gerne machen möchte. Ich hätte gerne ein Studio, in dem ich mehr kunstbezogene Sachen machen kann - einen Blog über Blumen zum Beispiel. Außerdem gefällt mir der Gedanke, Reisen und Arbeiten zu kombinieren und dabei andere kreative Leute zu treffen, die ihre Inspiration aus Blumen ziehen, wie Tätowierer oder Illustratoren.

Wenn Du jemandem Blumen schenkst, dann nicht einfach irgendwelche. Mach es zu etwas Besonderem und nimm die persönlichen Lieblinge

Noch mehr von Jil Berners Werken findest du auf Instagram.


Photography: Fiona Makkink
GIF: STUDIO ULTRADELUXE