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6 Gründe, nicht zu kochen, und 6 Gründe, es doch zu tun


Voll busy

Foodbloggerin Maria Giesecke hat keinen Bock auf selber kochen. Bestellen oder essen gehen hat ja auch so viele Vorteile. Oder?

 

 

“Gaaaaar nicht mal so gut” mit einer ordentlichen Prise “WTF...”, ist der Gedanke, der mir beim Anblick meiner letzten selbst zubereiteten Mahlzeit durch den Kopf schießt. Ein Traum in Beige blubbert sumpfig in einer 3 Jahre alten, niemals genutzten Schmorpfanne und ich weiß wieder, warum ich lieber essen gehe, als mich selbst hinter Töpfe, Pfannen, Bräter und Kasserollen zu stellen.

Eigentlich ist es bei mir mit dem Kochen genau wie mit der Steuererklärung: Wird nur sehr selten und unter großem Protest und mit viel Gezeter gemacht. Ich schiebe es natürlich auf Anti-Talent und nicht auf mangelnde Routine oder Erfahrung. Aber was man ätzend findet, kann man ruhigen Gewissens zum persönlichen Erzfeind erklären. Aus folgenden Gründen:

1. Kein Bock.

WEIL: Liste machen, einkaufen, Schlange stehen, MENSCHEN, schleppen, putzen, hobeln, rühren, klöppeln, machen, tun... Schon der Gedanke daran macht mich müde. Also robbe ich zu einem internetfähigen Gerät, um einen Lieferservice per App, geilerweise ohne menschlichen Kontakt, mit meiner Nahrungsbeschaffung zu beauftragen. Nach meist 20 Minuten ist das Futter da, ich muss mir nicht mal eine Hose anziehen und kann ordentlich reinhauen. 2018, Diggi!

ABER: Leider habe ich nicht im Lotto gewonnen und somit holt mich spätestens die monatliche Abrechnung meines Paypalaccounts auf den Boden der Tatsachen zurück und zerrt mich an den Herd. Außerdem weiß ich auch nie, was alles so drin ist im Bestellessen. Wenn ich mal wieder einen Gesundheits-Rappel bekomme, ist Selberkochen definitiv die günstigere und gesündere Variante, keine Frage.

 

2. Internet vs. Reality

WEIL: Ich stecke selbst knietief drin im (Food-)Bloggerbusiness und kann euch sagen: Die anmutigen Gerichte da, die im Internet, die sind zwar wunderschön, werden aber auch in erster Linie auf Optik “gekocht” und inszeniert. “Oh, das probier ich am Wochende, wenn der Besuch kommt”, bedeutet für den User (UND für den Rezept-Foodblogger, mit seinen anmutigen Bowls und perfekt angerichteten Ramen): In mindestens drei verschiedene Läden rennen, die perfekte Avocado auf Bio-Wochenmärkten erschnüffeln, 1-3 Schlägereien in der überfüllten U-Bahn, überhaupt krass viel teuren Krempel nach Hause schleppen, irgendwelche Gewürze im Internet ordern - dann in mühevoller Kleinstarbeit eine Art essbare Kunst auf den Teller zaubern. Soll heißen: Blogs helfen wahnsinnig bei der Inspiration. Darauf sollte dann auch die Betonung liegen. Die Realität kann nämlich ganz schön vom Bild abweichen.

ABER: Ab und zu ist es sehr befreiend, den sozialen Druck und Perfektionismus einfach mal nach Hause zu schicken, und der eigenen Kreativität und Spontanität freien Lauf zu lassen. Blog und Bilder benutze ich meistens nur als grobe Inspiration und das Ergebnis darf dann auch wieder in einer ganz anderen optischen Verfassung sein… so what.

3. 50 Shades of Beige

WEIL: Ich hab’s weder mit Konsistenzen, noch mit Gewürzen. Gewürze checke ich einfach nicht. Was passt wozu? Was verwendet man wofür? Viel zu anstrengend. Tendenziell denke ich nahrungstechnisch eher simpel und schmeiße alles in eine hochwandige Pfanne. Chili, Sojasauce und Paprikapulver sind so ziemlich die einzigen Gewürze, die ich auseinander halten kann und dementsprechend auch benutze. Das Ergebnis ist meistens: Beige. Oder Paprika-farben. Furchtbar monoton jedenfalls. Natürlich schmeckt es dafür aber auch immer gleich. Wenigstens muss ich dank der weichen Beschaffenheit nicht mehr viel Kauen und das Grauen landet ohne große Umwege und Zeitaufwand schnell im Magen.

ABER: Neuester Kniff bei mir in der Küche: Würzmischungen und Gewürzpasten für Currys, zum Beispiel von Maggi. Da hat sich jemand, der sich damit auskennt, Gedanken über die perfekten Geschmackskompositionen gemacht und ich kann später am Tisch die Lorbeeren dafür ernten. Kochen nach meinem Geschmack. Und ey Leute, bei Kochwettbewerben “tunen” die Köche ihre Gerichte auf jeden Fall IMMER mit special Würztreats oder z.B. Fettunterspritzungen bei BBQ und Fleisch usw. Googlet das mal.

4. Nicht knusprig = nicht lustig

WEIL: Die Zwillinge frittiert und knusprig sorgen für meine absolute Lebensmittel-Lieblings-Konsistenz (LLK). Sie hüllen mich in einen fettäugigen Mantel aus Glück und die Welt kann mir mit diesem Schutzschild dann mal so gar nix. Ab und zu muss ich aber angeblich die Fritteuse vom Nachttisch räumen und angeblich auch mal 1-2 Vitamine zu mir nehmen. Andere Menschen, die mit mir Bett und Tisch teilen, sehen das nicht so. Da wird permanent verlockender Knusper- und Fettkram ins Haus geschleppt… Bei meiner Selbstbeherrschung hab ich keine Chance. Was soll’s.

ABER: Gemüse kann auch knackig sein. Außerdem gebe ich mir Mühe, in Selbstgekochtem maximale Mengen Umami (= das ultimative würzige Geschmackserlebnis) reinzuballern. Das triggert mit Bravour dieselben Zentren im Gehirn, auf denen sonst “KNUSPRIG” eingebrannt ist und schüttet mindestens ebenso viel Glückshormone aus.

5. Gammelzeug im Kühlschrank - Verschwende Deine Nahrung

WEIL: In nicht vorhersagbaren Abständen stellt sich “die große Motivation” fürs Selbermachen und Lebensänderei ein. Es werden Wochenpläne erstellt, Mahlzeiten geplant und mehr Zeit für Großeinkäufe geopfert als nachts geschlafen wird. Theoretisch alles super, in Echt dann halt leider semi geil. Der Alltag haut mir von hinten in die Knie und schmeißt mir permanent irgendwelche Änderungen in den Weg. Spontane Abendessen in Restaurants, Events mit Häppchen, an denen ich mich NATÜRLICH satt esse (hallo, Selbstbeherrschung), Kater-Bestellungen… Und am Ende der Woche schaut mich der Salat welk und vorwurfsvoll an, wenn ich ihn in die Tonne haue.

ABER: Game-Changer: großes Tiefkühlfach. Wenn ich dann mal koche, dann gerne größere Mengen, die dann Omi-mäßig eingefroren werden. So vergammelt weniger und ich habe öfter eine gekochte Mahlzeit. Außerdem: Gemüse kaufe ich ganz oft tiefgekühlt. Geht auch.

6. Unkontrollierbares Hungergefühl mit schweren Konsequenzen.

WEIL: Ich finde Hunger nicht geil. Ich finde Hunger sogar richtig scheiße. Weiteres Problem: Er kommt schnell und unerwartet, dafür heftig. Gerne auch in unmöglichen Situationen und mit wirklich schlimmen Konsequenzen für mein Umfeld. Wut, bodenlose Wut, Weinen, Schreien, Hauen… hat es alles schon gegeben. Wenn das zeternde Maul nicht sofort gestopft wird, gibt’s richtig Stress. Da ist der schnelle Sprint zur Imbissbude mit 2 Mark 50 Linsensuppe oft die letzte Rettung für mich und die Menschheit, welche sonst in einem gigantischen Wutanfall einfach ausgelöscht werden würde. In Berlin gibt es ja auch an jeder Ecke was zu Futtern und dazu ist es auch noch saubillig.

ABER: Einfach mal was mitnehmen. Der erste brüllende Hunger lässt sich manchmal sogar mit ein wenig Studentenfutter oder dem guten alten Apfel wegsnacken. Oder ‘ner Stulle. Die kann man ja auch immer einpacken. Am Ende spart das sogar Müll, Nerven und richtig Geld.

Ich gebe es zu: Die Verlockungen sind groß und ich könnte auch super ohne Kochen leben, jedoch weiß ich dann entweder nicht so richtig, was ich esse und dafür das dann auch schön ungesund. Gerade jetzt, wo das Alter anfängt, an mir zu zerren und die eigene Unsterblichkeit in Frage gestellt wird, reichen zum Frühstück eben nicht mehr nur Kippe, Kaffee und ein wenig schales Bier vom Vortag (verdammt.. wieso...WIIIEEESOOO??).

Auch wenn die Imbissbude verlockend wirkt, so hat man auf langer Sicht dann doch eher mehr vom Selbermachen: schmeckt meistens dann doch gar nicht mal so ekelig, wenn man einige Tricks beachtet und geht auch nicht so ins Geld. Was man spart kann sinnvoll in Bar-Getränke investieren und der Anti-Koch-Schweinehund bekommt vielleicht sogar ‘nen Schnaps als Belohnung.

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